Erotischer Walkürenritt durch die Opernwelt
Katharina Herb überzeugte im Schmidt-Haus mit Opernkabarett "Orgien in Arien"
Der Neue Tag, Anastasia Poscharsky-Ziegler vom 11.04.05

Nabburg. Das wollten wir doch alle schon mal wissen: was versteckt eine Opernsängerin neben dem obligatorischen Angoraschal in ihrer Handtasche? "Salbeibonbons für die Stimme und einen Apfel für die Figur" sagte die Mezzosopranistin Katharina Herb und packte dabei aus ihrem Schallplatten-Designer-Stück eine Schachtel Zigaretten und einen Schokokuss aus.

Was die überraschende Ouvertüre versprach, wurde von der Diva in der Premiere ihres zweiten Opernkabarettprogramms durchgehend gehalten: die Münchner Mezzosopranistin faszinierte mit ihren "Orgien in Arien" sowohl Opernfanatiker wie Opernhasser: jeder kommt hier höchst amüsiert auf seine Kosten bei dieser schlüssig durchkomponierten prickelnden Mischung aus leidenschaftlicher, gekonnter Musik, Humor und Erotik. 120 auf- und anregende Minuten vergehen wie im rasenden Galopp.

Letztes Jahr hatte die sympathische 36-Jährige das Nabburger Publikum kennengelernt. Entschied sich, hier und nirgends sonst ihre nächste Premiere zu geben: am Freitag (und Samstag) war es dann soweit: begleitet von einem digitalen Taschenorchester fand die Welturaufführung der "Orgien in Arien" statt. Gleich zu Beginn gab es leckere Anekdoten von der göttlichen Maria Callas, deren leidenschaftlich dramatisches Timbre die Herb als Bellinis "Norma" verblüffend gut nachahmt.

Später erzählt die Beinahe-Architektin von jener unglaublichen Ernestine Schumann-Heink (1861 bis 1936) die noch vor dem Jet-Zeitalter als Opernaltistin eine Weltkarriere auf fünf Kontinenten - trotz dreier Ehemänner und sieben Kinder - bewältigte.

Die wandlungsfähige Herb hat Unterstützung in ihrer Texterin Edda Schnittgard, die ihr etwa den Puccini Hit "Oh mio Babbino caro" genial in eine Designerlabel-Litanei von Prada bis Gucci umgearbeitet hat. Ein weiterer unverzichtbarer Helfer der stimmgewaltigen und exzessiv ausdrucksfähigen Solistin ist das erotischrote Kostüm aus einer sündhaften Corsage kombiniert mit roten Plastikplanen, die sich ruck-zuck als Stola, Halstuch, als Dindlschürze oder Abendrobe einsetzen lassen.

Nicht nur in den großen weiblichen Titelrollen, als "Tosca" und "Carmen" brilliert die volumenstarke Profisängerin, auch in Hosenrollen stürzt sie sich ohne Mühe: bei ihrem maskulin geschmetterten "Vincero!" als Tenor-Prinz Kalaf hat die "militante Emanze" Turandot keine Chance mehr.

Und zum Finale gibt?s Wagner - was sonst? Gleich alle acht "Schlachtrösser" des Walkürenritts übernimmt die Diva in gestischer und mimischer Überzeichnung: ihre Karikaturen von Helmwige, Gerhilde, Ortlinde, Waltraute, Siegrune, Roßweiße, Grimgerde und Schwertleite gönnt den Lachmuskeln keine Arbeitspause.

Zum Schluss für alle Gäste Kirschpralinen und Schokoküsse - und für die Sängerin Salbeibonbons. Wer die Kabarettistin und Mezzosopranistin Katharina Herb erleben möchte, hat dazu am 13. Mai im Schafferhof Neuhaus Gelegenheit.