Oper im Hüttenformat
Abendzeitung München 23./24.5.05, von Mathias Hejny
Hinterhoftheater: Katharina herb singt "Orgien in Arien"Hosenrollen sind ab sofort out: Schlüpft frau in eine Männerpartie, wird das mit weißen Söckchen markiert. In libidoroter Corsage, Tennissocken und mit auf tenorale Höhen hinuntergeschraubtem Mezzosopran singt Katharina Herb die Registerarie des Leporello. Dass das umfangreiche Beischlaf-Archiv aus Mozarts "Don Giovanni" irgendwie nach Ingo Insterburgs "Ich liebte ein Mädchen" klingt, verwundert die Herb auch im Namen ihrer Ko-Autorin Edda Schnittgard vom Damenduo Queen Bee.

Noch so eine kleine liebenswerte Unverschämtheit des neuen Herb-Solos "Orgien in Arien" im Hinterhoftheater ist die Carmen-Nummer: Im Gedenken an die um 1900 tätige, nicht nur künstlerisch fruchtbare Kollegin Ernestine Schumann-Heink, verwirrt sie Bizets Machismo-Reigen als höchst-schwangere Carmen vollends.

Wenn die Wahlmünchnerin auftritt, passt große Oper auch in die kleinste Hütte. Ein digitales Taschenorchester sorgt "billig und willig" für die passende Grundlage, und neben der genannten Reizwäsche genügen ein paar Streifen roter Müllsäcke für die Darstellung von Abendrobe, Callas-Stola, jodelkompatiblem Dirndl, sadomasopraktischer Fesselung oder Walküren-Konfektionsgrößen.

Auch wenn die etwas wuschigen Moderationen eher auf die unteren Körperregionen abzielen, gibt es etwas auf die Ohren: Katharina Herb kann singen, und ihre wandlungsfähige Stimme veredelt respektfreien Klamauk zu einem derzeit einzigartigen Musikkabarett .